Am Anfang eines jeden Treffens beginnen wir mit einer Blitzrunde, in der jeder sagt, was ihn belastet oder bewegt und wie es ihm momentan geht. So haben alle Teilnehmer die Möglichkeit, kurz über ihre Probleme und Erlebnisse der letzten Woche zu berichten und auf einen ausführlicheren Gesprächsbedarf hinzuweisen. Auf diese Weise können sich die Mitglieder der Gruppe einen ersten Eindruck verschaffen, um dann später aktuelle Probleme ausführlicher und gezielter zu Besprechen. Ein kurzer Rückblick auf die Woche kann zudem neue Themen aufbringen und zu einem regen Gedankenaustausch in der Gruppe führen.
Ist ein neues Gesicht in der Gruppe, wird in die Blitzrunde gleich eine kurze, aber offene und ungezwungene Vorstellung integriert. Das schafft eine vertrauensvolle Basis, hilft damit dem Neuen anzukommen und der Gruppe, ihn aufzunehmen.
Ein wichtiger Hinweis an dieser Stelle: Alles, was in der Gruppe besprochen wird, ist selbstverständlich vertraulich und bleibt in der Gruppe – für alle Gruppenteilnehmer gilt hier eine grundsätzliche Verschwiegenheitspflicht.
Es muss sich hier selbstverständlich auch niemand öffnen, wenn der Betreffende sich z.B. dabei unwohl fühlt und es selber nicht will.
Eine Blitzrunde bzw. Blitzlicht kann natürlich auch dann sinnvoll sein, wenn zwischendurch das Gespräch zum Erliegen gekommen oder ein Bedarf aus der Gruppe entstanden ist.
„Mir geht es zur Zeit – wie ihr ja wisst – sowieso schon echt bescheiden und seit letzter Woche ist meine Stimmung sogar noch weiter gesunken. Am Wochenende war es so schlimm, dass ich noch nicht einmal mehr Lust hatte, unsere Wohnung zu verlassen. Selbst zu unserem sonst so beliebten Cliquentreff musste meine Freundin mich regelrecht überreden. Sie war natürlich erst einmal ziemlich sauer, macht sich jetzt aber ernsthafte Sorgen, dass ich noch weiter abrutsche“ erzählt Stefan*. Damit wendet er den Kopf und nickt Sabine* zu.
„Gestern habe ich mich zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder getraut, zusammen mit meiner Freundin mit Bus und Bahn nach Düsseldorf einkaufen zu fahren". Und was soll ich Euch sagen… wir haben zusammen einen wundervollen Nachmittag erlebt. Wir waren ausgiebig schoppen, haben ganz gemütlich Kaffee getrunken und weder die vielen Leute in der U-Bahn noch meine Angst vor großen Kaufhäusern haben mir diesmal irgendwelche Probleme bereitet, geschweige denn eine Angst- und Panikattacke ausgelöst. Allerdings habe ich mich danach auch erst einmal total erschöpft gefühlt“, erzählt sie und lächelt in die Runde.
Sylvia seufzt und macht weiter. Ihr gehe es seit 2 Tagen gar nicht gut und möchte nach der Runde näher auf ihre Probleme eingehen.
Es folgt eine kurze Vorstellungsrunde aller Teilnehmenden, da es mit Elke ein neues Gesicht in der Runde gibt.
Elke bedankt sich nach einer kurzen persönlichen Vorstellung erst einmal für die Möglichkeit der Teilnahme an der Gruppenstunde, bevor sie von plötzlich auftretenden Angstsymptomen und körperlichen Beschwerden berichtet. Sie würde im Anschluss an die Blitzrunde gerne ausführlicher darüber reden.
Nach der Blitzrunde beginnt Sylvia ausführlicher zu berichten: "Neben meinen eigenen Problemen mit meinen Panikattacken, mache ich mir jetzt auch noch ernsthafte Sorgen um meine Tochter. Sie wirkte in den letzten Tagen schon irgendwie in sich gekehrt und lustlos und hat auch kaum ein Wort geredet. Mein Mann und ich haben uns schon gewundert. Gestern vor dem Frühstück kam sie dann völlig aufgelöst und weinend zu uns und erklärte, sie wolle nicht mehr in die Schule gehen, weil sie dort von 3 Mitschülern in der Klasse gemobbt wird. Mir ist vor Schreck der Schweiß ausgebrochen und ich habe sogar einen Zitteranfall gehabt. Wir haben, nachdem wir uns alle etwas beruhigt haben, erst einmal mit ihr geredet. Im Anschluss habe ich dann sofort ihre Klassenlehrerin angerufen und die Situation bei uns geschildert. Die Klassenlehrerin war sehr verständnisvoll und wir werden uns morgen Vormittag zu einem Gespräch treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Ich denke, dass ich Euch dann nächste Woche mehr dazu berichten kann, wie es jetzt weitergeht. Ich gebe weiter an Elke.“
Wie eben in der Blitzrunde schon erwähnt, habe ich große Angst, dass ich auf dem besten Wege bin, verrückt zu werden. Von einer Minute auf die andere habe ich plötzlich dieses Gefühl, als ob mir jemand den Brustkorb eindrückt und heftige Atemnot. Mir bricht der Schweiß aus, mein Herz rast, mein Puls spielt verrückt und alles fängt sich an zu drehen. Da diese Symptome immer öfter, aber leider für mich auch ohne ersichtlichen Grund auftreten, habe ich jetzt meinen Hausarzt aufgesucht und ihm von meinen Beschwerden berichtet. Dieser hat mich dann ausführlich über die Angststörung aufgeklärt und die Behandlungsmöglichkeiten mit Psychotherapie bzw. kognitive Verhaltenstherapie erörtert. Obwohl diese Therapieformen bei der Behandlung sehr wirksam sein sollen, konnte er mich nicht wirklich beruhigen. Meine Freunde, Eltern und Geschwister waren erst einmal überrascht, als ich ihnen davon erzählt habe, konnten mir aber, trotz gut gemeinter Ratschläge, auch nicht wirklich weiterhelfen. Leider habe ich dann auch noch von jemandem zu hören bekommen, das wäre ja eigentlich auch kein Wunder, dass es mir so geht. Ich müsse mich einfach nur mal kräftig zusammenreißen und damit aufhören, mich ständig selber verrückt zu machen.
In der Regel folgt hier dann, wie bereits erwähnt, ein reger und hilfreicher Austausch in der Gruppe.
Wichtiger Hinweis:
Aufgrund der Verschwiegenheitsplicht aller Gruppenteilnehmer sowie der aktuellen Datenschutzverordnung, sind in den Blitzberichten alle Namen und Inhalte entsprechend so abgeändert , dass sich daraus keine Bezüge zu realen Personen ableiten lassen.
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