Depressionen, Burnout Co.
Schwere Zeiten für Partner und Familie
Just im Dezember 2018 hat das Bundeskabinett den aktuellen Untersuchungsbericht „Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) für das Jahr 2017 verabschiedet.
Gemäß diesem sind im vergangenen Jahr alleine wegen psychischer Erkrankungen 107 Millionen Krankheitstage angefallen und dabei nach statistischen Berechnungen Produktionsausfälle im Wert von 12,2 Milliarden Euro für die Deutsche Wirtschaft entstanden.
Doch können nüchterne Zahlen und Fakten in einem Wirtschaftsbericht tatsächlich auch nur im Ansatz ausdrücken, welch eine starke Belastung Depressionen, Burnout und Co. vor allem für die Erkrankten selbst und die Personen in ihrem Umfeld darstellen?
Wie geht man damit um, wenn ein Familienmitglied seinen gewohnten Schwung und die Freude am Alltag verliert, wenn ein früher aktiver und lebenslustiger Partner oder Freund sich auf einmal zurückzieht, an innerer Leere, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Ängsten und Schuldgefühlen leidet?
Da die Gedanken und Gefühle eines Depressiven für psychisch gesunde Menschen zunächst kaum nachvollziehbar sind, sorgen Wissenslücken und das „Nicht-Verstehen“ bei Angehörigen und Freunden hier oft für Unverständnis, Fehlinterpretationen und Zweifeln. In ihrer eigenen Unsicherheit und Hilflosigkeit dem Erkrankten gegenüber wissen viele nicht, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollen. Oftmals ärgern sie sich über Ihren depressiven Angehörigen / Partner, fühlen sich machtlos, werden ungeduldig, wütend und entwickeln dann oft Schuldgefühle. Umgekehrt erleben gerade Menschen mit schweren Depressionen diesen Zustand noch weitaus schmerzhafter, fühlen sich oft missverstanden und alleine gelassen, machen sich ihrerseits starke Vorwürfe und leiden dann selbst unter Schuldgefühlen aufgrund ihrer Depression.
So kann das Zusammenleben und die ständige / alltägliche Auseinandersetzung mit einem depressiven Menschen eine große emotionale Herausforderung und körperliche Belastung werden.
Gerade wenn eine Depression länger andauert, ist hier ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Geduld mit dem Erkrankten gefragt. Leider stellt sich bei den Angehörigen dabei allzu oft ein Gefühl von Überlastung, Überforderung und Erschöpfung ein, weil sie „ihrem“ Patienten viele Aufgaben abnehmen müssen, er jedoch kaum in der Lage ist, etwas zurückzugeben.
Nicht wenige scheitern mit ihrer Hilfsbereitschaft daran, dass sie in ständiger Angst um den psychisch Erkrankten leben, mit ihm mitleiden, kaum noch Anerkennung und Zuneigung vom Partner erfahren, sich alleine gelassen und genervt fühlen, dabei auf Dauer „ausbrennen“ und dann selbst auf Hilfe angewiesen sind.
Der Entschluss, sich vom depressiven Partner zu trennen, ist dann für viele oftmals das letzte Mittel zur Selbsthilfe.
Gerade hier kann der Informations- und Erfahrungsaustausch in einer Selbsthilfegruppe auch für die betroffenen Partner und Familienmitglieder eine wichtige Hilfe sein.
Partnerschaft und Zuneigung werden in schweren depressiven Phasen sehr auf die Probe gestellt. Nicht selten enden Beziehungen in einer Trennung wegen Depression.